Wer seine Heimat verlassen und fliehen musste, kennt Angst. Angst vor Krieg, Gewalt und Verfolgung, Angst um die Familie und oft auch Angst um das eigene Leben. Doch mit der Ankunft in Deutschland verschwinden diese Ängste nicht einfach. Sie verändern sich.
Ein Beitrag von Zohreh Rezvani-Thürck, sozialpädagogische Leiterin der CFEE
Aus meiner langjährigen Arbeit mit geflüchteten Menschen weiß ich, dass viele nach ihrer Ankunft eine ganz grundlegende Sorge begleitet: die Angst, es nicht zu schaffen.
Das betrifft Männer und Frauen ebenso wie Jugendliche. Viele Menschen kommen mit großen Hoffnungen nach Deutschland. Sie möchten die Sprache lernen, arbeiten, ihren Kindern eine gute Zukunft ermöglichen und wieder ein selbstbestimmtes Leben führen. Sie haben häufig sehr viel hinter sich gelassen und einen hohen Preis für die Hoffnung auf einen Neuanfang bezahlt.
Gerade deshalb ist die Angst vor dem Scheitern so groß. Was passiert, wenn ich die Sprache nicht lerne? Wenn ich keine Arbeit finde? Wenn mein Abschluss nicht anerkannt wird? Wenn ich die vielen Regeln nicht verstehe? Was passiert mit meinen Kindern? Und werde ich hier tatsächlich meinen Platz finden?
Auf diesem Weg begegnen den Menschen viele Hürden: Sprache und Bürokratie, ein unsicherer Aufenthaltsstatus, Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, der Zugang zu Arbeit und Bildung oder fehlende soziale Kontakte. Auch Vorbehalte und Ausgrenzung können dazu führen, dass Menschen trotz großer eigener Anstrengungen das Gefühl bekommen, nicht voranzukommen.
Die Angst entsteht also häufig nicht, weil die Menschen keine Ziele hätten. Im Gegenteil: Sie entsteht gerade deshalb, weil sie Ziele haben und diese erreichen möchten.